G20: Strengt Euch an!

Kerstin Bake-Voelsch Allgemein

Komische Stimmung hier in Hamburg, die Stadt fühlt sich an wie sonst nur Sonntags morgens um 7.00 Uhr: Kaum Autos, kaum Menschen… die Geschäfte schließen früher als geplant, und das mitten in der City, wo schnell handschriftliche Zettel in die Fenster gehängt werden, damit die MitarbeiterInnen noch nach Hause kommen, bevor gar nichts mehr geht. Und das alles bei herrlichem Sonnenschein. Hubschrauber kreisen unaufhörlich in der Luft, wir sind Liftlinie ca. 1 km entfernt von der Unterbringung des US-Präsidenten. Mein Auto steht noch am Büro, die Straße nach Hause war plötzlich dafür aber stundenlang gesperrt als Ausweichroute der ankommenden Gäste. Also zu Fuss mit Hund zur Schule der Tochter, kein Basketballtraining, wir kommen nicht hin.
Die Demo Welcome to Hell wird ihrem Titel gerecht, und setzt Gewalt ein, um Meinungen kund zu tun. Demokratie nicht verstanden, wo man akzeptieren muss, das Mindermeinungen eben Mindermeinungen sind, die dann auch nicht besser werden, wenn sie brachial vorgebracht werden.
Beim Gassigehen später am Abend dann auch Gedanken daran, wie es sich wohl anfühlt, in einer Stadt zu leben, wo dieser momentane zumindest gefühlte Ausnahmezustand immer während ist, wo der kreisende Hubschrauber nicht beobachtet, sondern beschießt, wie lebt man da? Weltweiter Frieden muss wirklich sein, das hier ist nichts gegen das was die meisten Flüchtlinge erlebt haben, und die in den Kriegsgebieten verbliebenen noch immer erleben müssen. Schrecklich. Hier passiert ja in den Wohnquartieren gar nichts, wir sind weit weg von den Messehallen, und von der Demoroute… mein Mann ruft an und sagt ich soll ihn bis 2.00 Uhr nachts abschreiben, er steht irgendwo mit dem Auto, es geht gar nichts mehr, Basketball heute also unter keinem guten Stern, weder für Spielerinnen auf dem Hinweg noch für Trainer auf dem Heimweg. Und heute, am Freitag, fängt der Gipfel hier erst an!
Liebe Teilnehmer*innen des G20, strengt Euch an, die ganze Stadt atmet für Euch anders als sonst, ich glaube die globalen Bevölkerungen sind sich manchmal näher als ihr glaubt, und bei uns gibt es ein Sprichwort, das einem selbst viel abverlangt aber nahezu immer zu einem besseren Ergebnis führt: Der Klügere gibt nach. Möge das die Verhandlungen leiten.
Allein ist man nichts, nur wenn alle zusammen stehen, kann sich etwas bewegen. Hamburg steht gemeinsam, um diesem Gipfel und damit den Nationen des G20 eine stolze und ruhige Gastgeberin zu sein. Wir werden weiter friedlich demonstrieren, um darauf hinzuweisen das große Macht auch große und weitsichtige Verantwortung heißt.
Mal sehen was die nächsten beiden Tage bringen in dieser plötzlich anders pulsierenden Stadt.  Und denkt dran: Keine Meinung ist es wert, dass Menschen gefährdet oder gar verletzt werden.